Tag 5: Von Portomarín nach Santiago de Compostela
Die Nacht im Hostel war wieder sehr gut und warm. Am Morgen packte ich wie immer meine Sachen und fuhr kurz nach 8 Uhr los. Auch in Portomarín war es morgens wieder super, super kalt. Gefühlt ist hier in den letzten zwei Tagen wirklich der Winter eingebrochen. Morgens habe ich immer alles an, was ich dabeihabe. Zum Glück kam diesmal direkt ein kleiner Berg, sodass ich mich aufwärmen konnte.
Der Nebel war mystisch, und als die ersten Sonnenstrahlen kamen, sah es aus wie in einer Filmkulisse. Schon früh am Morgen waren einige unterwegs, und der Camino war wieder gut besucht. Gefühlt wird die Stimmung unter den Pilgern auch immer besser, denn bald kommen sie ja in Santiago an. Ich werde heute schon dort ankommen, wenn alles klappt, und ich freue mich sehr, das Ziel endlich zu erreichen. Noch sind es aber gute 100 Kilometer bis Santiago.
Wie in den letzten beiden Tagen pendle ich immer wieder zwischen dem Camino und dem EuroVelo 3, der in Santiago endet. Der EuroVelo 3, die „Pilgrims Route“, führt über mehr als 5.000 Kilometer von Trondheim in Norwegen durch sieben Länder bis nach Santiago de Compostela. In Spanien folgt er größtenteils dem Camino Francés, von Roncesvalles bis Santiago sind das rund 870 Kilometer. Ich fahre ihn seit Burgos.
Leider sind die Straßen in den kleinen Bergdörfern nicht immer ganz so gut, sodass ich selbst bei den Abfahrten bremsen muss, weil es mich sonst vom Lenker schmeißt.
In Melide machte ich einen großen Mittagsstopp und aß nochmal ordentlich was. Danach kamen nochmal einige Höhenmeter: Die offizielle EuroVelo-Etappe von Melide nach Santiago hat auf gut 66 Kilometern rund 1.160 Höhenmeter, es ging also ständig auf und ab. Der EuroVelo führt hier über Arzúa, eine der Käsehauptstädte Galiciens, und über die sogenannte „Ruta del Holandés“ entlang der Landstraße AC-240 bis zur Ciudad de la Cultura am Stadtrand von Santiago, weitgehend abseits der Pilgerströme. Ich fuhr durch viele einsame Straßen und Dörfer, in denen ich viele Bauernhöfe, aber auch viele leerstehende Häuser gesehen habe. Da war wirklich tote Hose. Immer wieder sah ich dabei diese länglichen Gebäude auf einem erhöhten Sockel: Hórreos, traditionelle Kornspeicher, die typisch für Galicien sind. Früher wurden darin vor allem Mais und Getreide getrocknet und gelagert. Weil sie erhöht stehen und durchlässige Wände haben, zirkuliert die Luft, und Steinplatten am Sockel halten Mäuse und Ratten fern. Viele sind aus Stein oder Holz, manche aber auch aus gelochten Backsteinen. Zwischendurch sah ich auch alte Scheunen, die von außen ganz alt aussahen. Ihre Scheunentore standen aber offen, und drinnen waren 24/7-Automaten, an denen man sich Getränke und Essen kaufen konnte, direkt am Pilgerweg. Das fand ich sehr interessant. Dann ging es durch Touro, und ich kam noch an Rosario vorbei.
Weil der EuroVelo dort ein Stück abseits des Camino verläuft, ich aber die letzten Kilometer des Camino fahren wollte, nahm ich nochmal eine Abkürzung. Die führte allerdings über einen schlammigen und schottrigen Waldweg, auf dem ich mich noch einmal hochkämpfen musste. Irgendwann sah ich dann wieder ein Camino-Schild: noch 6,550 Kilometer.
Danach kam ich am Disc-Golf-Platz am Monte do Gozo vorbei und am Denkmal, an dem zwei Pilger in Richtung Santiago zeigen. Der Monte do Gozo heißt übersetzt „Berg der Freude“, denn von hier aus sahen Pilger früher zum ersten Mal die Türme der Kathedrale. Und tatsächlich konnte auch ich von dort oben ganz kurz schon die Türme sehen. Auf dem weiteren Weg kam ich noch am Willkommensschild von Santiago de Compostela vorbei, an dem ganz viele Aufkleber und Bänder hängen und vor dem ganz viele Steine abgelegt wurden.
Die Türme der Kathedrale hatte ich also schon vom Berg der Freude aus gesehen, und die Kathedrale selbst ist sehr beeindruckend. Mit ihrem Bau begann man im Jahr 1075, geweiht wurde sie 1211. Unter dem Hochaltar liegt das Grab des Apostels Jakobus, und die barocke Fassade zum Platz hin stammt aus dem 18. Jahrhundert. Gegen 18:30 Uhr erreichte ich den Plaza del Obradoiro. Es war nicht mehr viel los, und es war schon wieder sehr, sehr kalt. Aber es war ein schönes und interessantes Gefühl, hier anzukommen, in Santiago de Compostela an der Kathedrale.
🚴 108,46 km
⏱️ 7:18 h Gesamtzeit
⛰️ 1.946 Höhenmeter
⚡ Ø 14,8 km/h
2 Kommentare
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Oli
Super 👍
Ich freue mich das Du heile angekommen bist und wieder ein Ziel erreicht hastCedricAutorDanke 🫂♥️
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Karin
Schön geschafft🥳. Tolle Tagesberichte und super Fotos 😊
CedricAutorDankeschön 🥰




















