Von einer Abstellkammer in Helsinki in ein Tipi im Wald mit italienischem Abend und vielen Bäumen.
Nun ging es los nach Helsinki. Weiter auf der Reise voran und ins nächste Abenteuer. Was ist das für ein Mensch, der mitten in Helsinki zwei Urlauber bei sich aufnimmt? Übrigens, Jakob schrieb mir einen Tag vorher, dass noch ein anderer Couchsurfer bei ihm übernachtet. Er sendete mir außerdem auch ein Foto von seiner Klappcouch (wo Olli und ich drauf schlafen sollten) und einer kleinen Matratze für den anderen Couchsurfer.
Nachdem ich mich durch den nachmittags Berufsverkehr gekämpft hatte, kam ich vor einem verschlossenen Tor an. Meine einzige „Angst“ vor Großstädten ist eigentlich immer nur das parken. Und nach dem Ticket in Trondheim auch bestätigt. Die Straße war aber zum Glück eine Sackgasse und das Viertel sah auch sehr ordentlich aus. Mit guten Gewissen konnte ich neben einem anderen Motorrad parken.
Den Code für das Tor hatte Jakob mir gesendet. Es klappte auch alles und nach dem Klingeln öffnete er mir die Tür.
Jakob begrüßte mich freundlich und hieß mich in seinem kleinen Apartment willkommen. Jakob kam ursprünglich aus Magas, ein kleinerer Ort in Süd-Russland. Nördlich von Georgien. Seit längerer Zeit bietet er sein Apartment als Übernachtungsmöglichkeit für Reisende an. Nach und nach stellte sich heraus, dass Couchsurfing für Jakob eine Lebenseinstellung und ein großes Hobby ist. Das sah man nicht nur an seinem Profil mit über 170 positiven Referenzen, einem Tourguide, mit Öffnungszeiten der Museen inklusive Busverbindungen und anderen Aktivitäten, sondern auch daran, dass sein Einraum Apartment nur dafür ausgelegt war, dass dort andere übernachten. Im Laufe des Wochenendes stellte sich außerdem dann heraus, dass sein Apartment eigentlich auch nur ein Abstellraum von seinem Kumpel war, wo er drinnen wohnt. Ob das alle hier so richtig war und ob wir uns dadurch auf einmal wie illegale Migranten gefühlt hatten, lass’ ich mal so stehen. Auf jeden Fall war Jakob super nett, bot essen und trinken und einen Schlafplatz und ein Badezimmer. Da wir uns die Stadt anschauen wollte, war das mehr als genug. Der andere Couchsurfer war Nelson aus der Dominikanischen Republik! Auch er war super freundlich und plante bis Sonntag bei Jakob zu bleiben.
Da ich noch etwas Zeit hatte, bis Olli abends landete, packte ich entspannt meine Sachen bei Jakob aus uns fuhr nur mit meinem Laptop in ein kleines Kaffee am Meer. Olli sollte gegen 21 Uhr landen und so machte ich mich um halb acht langsam auf den Weg. Mit einem kleinen Stopp an einem Supermarkt, um ein paar Snacks zu besorgen. Olli hatte zuvor die Info bekommen, dass sein Flug nach Amsterdam (danach ging es dann weiter nach Helsinki) schon ein wenig Verspätung hatte. Die Verspätung wurde mehr und mehr und langsam wurde es nun auch knapp den Anschlussflug zu bekommen. Nach circa einer Stunde wurde der Flug dann annulliert.
Ich in Helsinki auf dem Weg zum Flughafen und Olli immer noch in Düsseldorf. Keine gute Situation. Also fuhr ich erstmal wieder zurück zu Jakob. Olli konnte glücklicherweise auf den nächsten Flug einen Tag später umbuchen. Glück im Unglück gab es sogar noch eine Gratis Nacht im Maritim Hotel am Flughafen. Spät am Abend bekam ich noch ein Foto von Olli im hauseigenen Fitnessstudio. Es hätte schlechter sein können.
Neuer Tag, neuer Versuch. Nachdem ich am Vorabend mit Jakob beim Abendessen noch zu einem kleinen Spaziergang am nächsten Tag in seinem Viertel mit zwei anderen Couchsurfern aus der Ukraine eingeladen wurde, waren wir nun beim Sonnenuntergang in schönen Seitengassen der Stadt unterwegs. Maria und Blagomyr kamen aus Kiew und konnte aufgrund des Krieges aktuell nicht arbeiten. Da ihr ukrainischer Reisepass aktuell in Europa auch als kostenlose Fahrkarte galt, packten sie kurzerhand ihre Rucksäcke und starteten einen Backpacking-Trip. Zusammen gingen wir dann noch durch einen kleinen Park ans Meer, um Fotos vom Sonnenuntergang zu machen.
Nachdem Jakob und ich uns zurück zu seinem Apartment gemacht hatten, wies er mich kurz noch drauf hin, dass wir ja noch einen anderen Couchsurfer einsammeln müssten. Er hatte eine spontane Anfrage an Jakob gesendet, da er keinen anderen Schlafplatz in Helsinki gefunden hatte. Nach ein paar Minuten trafen wir dann Antony aus Brasilien. Antony reiste gefühlt schon sein ganzes Leben durch die Welt. In Brasilien hat er mehrere Wohnungen, die von seiner Mutter gemanagt werden. Die Einnahmen nutzt er, um die Welt zu sehen. Eine Geschichte von ihm ist mir besonders von ihm hängen geblieben. Als die Corona Pandemie begann, war er in Hawaii unterwegs. Als dort dann die Ausgangssperre kam, blieb ihm nichts anderes übrig als entweder seine Reise abzubrechen und nachhause zu fliegen oder dort zu bleiben. Und so blieb er kurzerhand ganze sechs Monate in Hawaii bei seinem Couchsurfer.
Zusammen kamen wir dann bei Jakob an. Jakob informierte kurzerhand auch Nelson. Der kam dann aber über Nacht aber nicht mehr zurück.
Olli war nun zum Glück währenddessen endlich schon auf dem Weg nach Amsterdam, um dann direkt sein Anschlussflug nach Helsinki zu bekommen. Diesmal klappte dann auch alles! Gegen 22 Uhr landete Olli in Helsinki. Nachdem ich auf dem überraschend kleinen Flughafen auch noch ganz vorne am Eingang parken konnte, empfing ich Olli neben den anderen Abholservices der Mitreisenden! Es war mega nach so langer Zeit meinen Kumpel Olli bei mir zu haben!
Zusammen fuhren wir durch das nächtliche Helsinki zum nächsten Hesburger, um schnell noch was zu essen. Eigentlich hatte ich Jakob versprochen, dass wir vor 0 Uhr wieder zurück sind … essen mussten wir aber trotzdem. In der Stadt war einiges los!
Während wir das Heck vom Moped als Stehtisch nutzten, schauten wir dabei zu, wie ein Mädchen direkt vor dem Burger Laden neben dem Eingang hinkotzte. Der Freitagabend in Helsinki unterscheidet sich also nicht sehr von dem bei uns in Deutschland. Bei uns gibt es Hesburger nur einfach nicht.

Kurze Zeit später stieß dann auch noch Antony zu uns. An ein paar Imbissbuden vorbei, gingen wir zu einem kleinen Hafen. Zusammen fuhren wir mit einem kleinen Ausflugsschiff raus zu der Insel Suomenlinna, einer militärischen Festung von 1748. Seit 1973 gilt sie als UNESCO-Welterbe und touristische Attraktion. Die Sonne schien und entspannt erkundeten wir die Insel.
Zurück am Festland liefen wir noch ein bisschen durch die Stadt und endeten Abends in einer kleinen Kneipe. Dort hing ein Flugzeug unter der Decke.
Am nächsten morgen frühstückten wir zusammen mit Jakob. Außerdem schrieben wir ihm jeder noch eine Nachricht in sein Couchsurfing Gästebuch. Wie anfangs schon erwähnt, war das wirklich ein großer Teil seines Alltags. Nach einem Abschlussfoto gingen wir zusammen runter zum Moped und verabschiedeten uns von Jakob. Das Wochenende bei Jakob zu übernachten war wirklich ein Erlebnis!















